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Umkämpfte Bilder (eBook, PDF) - Bach, Annika
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Bach, Annika:
Umkämpfte Bilder (eBook, PDF) - neues Buch

2016, ISBN: 9783593433745

ID: 863484c1c4ea55300536862c97502621

Einleitung: Umkämpfte Bilder - Journalismus und KriegFür die Stadt New York beginnt das 21. Jahrhundert mit terroristischen Anschlägen. Für den Rest der Welt beginnt das 21. Jahrhundert mit den Bildern dieser Anschläge. Als Reaktion auf die Anschläge vom 9. September 2001 und auf die Bilder, die sie auf den Bildschirmen erzeugt haben, entscheidet sich die amerikanische Regierung unter George W. Bush für einen militärischen Einsatz. In einem so genannten "Krieg gegen den Terror" wird das terroristische Netzwerk Al-Qaida auf dem Territorium Afghanistans von einer amerikanisch geführten Allianz angegriffen. Zwei Jahre später bombardiert eine Allianz aus USA und Großbritannien den Irak. Dies führt zu einem auch im Jahr 2016 noch andauernden Krieg der USA in Südasien und zu einem achtjährigen Einsatz in dem Golfstaat.Im Jahr 2008 während seines ersten Wahlkampfes bezeichnet der demokratische Kandidat Barack Obama den in seinen Augen legitimen und mit einem völkerrechtlichen Mandat ausgestatteten Kriegseinsatz der US-Streitkräfte in Afghanistan wiederholt als einen ?guten? und sinnvollen Krieg. Gut sei dieser Krieg, das macht er in seiner Kampagne verschiedentlich klar, vor allem im Vergleich zum Krieg im Irak, der unter dem Vortäuschen falscher Tatsachen und mit Hilfe von Manipulation der internationalen Gemeinschaft von der Bush-Regierung begonnen wurde. Diese Unterscheidung ist eine zentrale Botschaft seiner geplanten außenpolitischen Linie. Während einer Rede an dem Forschungszentrum Woodrow Wilson International Center for Scholars in Washington, D.C. kündigt der demokratische Kandidat an:"When I am President, we will wage the war that has to be won, with a comprehensive strategy with five elements: getting out of Iraq and on to the right battlefield in Afghanistan and Pakistan; developing the capabilities and partnerships we need to take out the terrorists and the world's most deadly weapons; engaging the world to dry up support for terror and extremism; restoring our values; and securing a more resilient homeland.The first step must be getting off the wrong battlefield in Iraq, and taking the fight to the terrorists in Afghanistan and Pakistan."Nach dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama im Januar 2009 erfährt der Krieg in Afghanistan tatsächlich neue Aufmerksamkeit von der US-Administration. Wie es Obama versprochen hat, erweitert seine Regierung den außenpolitischen Fokus in Südasien auf Afghanistan gemeinsam mit dem angrenzenden Pakistan. Dieses Vorgehen wird von der Administration als "AfPak-Strategie" bezeichnet. Da sich in den Grenzregionen beider Länder sowohl die Taliban als auch der internationale Terrorismus weiterhin erfolgreich organisieren, sollen fortan "Afghanistan und Pakistan als zwei Länder, aber eine Herausforderung behandelt werden" (van Raemdonck 2009: 204). Am 27. März 2009 erläutert der US-Präsident das Ziel dieser neuen Außenpolitik und ihre Pläne zur Umsetzung. Im Vordergrund steht die Zerstörung von Al-Qaida sowie ihrer Unterstützer und ihrer Rückzugsgebiete (ebd.).Ihre militärische Umsetzung (im Vergleich zur diplomatischen, wirtschaftlichen etc.) findet die AfPak-Strategie des Präsidenten Obama in der "counterinsurgency"-Strategie. Die Zivilbevölkerung wird von der US-amerikanischen Seite verstärkt in die Militäroperationen einbezogen, um den Taliban den Einfluss auf sie zu erschweren oder ganz zu verhindern. Als "clearing, holding and building areas that had been under insurgent control", wird diese neue Strategie (Celso 2010: 185) beschrieben. Der Kommandeur der ISAF und der U.S. Forces Afghanistan der Jahre 2009 und 2010, General Stanley McChrystal, führt die Strategie in Afghanistan ein, General Petraeus übernimmt diese Aufgabe im Jahr 2010. Im Vergleich zu vorherigen Maßnahmen sollen hier erstens weniger die Aufständischen aufgespürt und getötet werden, dafür soll der Schutz der Zivilbevölkerung absolute Priorität haben. Zweitens sollen von den Taliban befreite Gebiete unter maßgeblichem Einsatz der afghanischen Sicherheitskräfte, der Afghan National Security Forces, gehalten werden (Fair 2010: 115). Ziel ist es, den Taliban die Kontrolle über Dörfer und kleine Regionen abzuringen und dort unter militärischem beziehungsweise polizeilichem Schutz staatliche Strukturen aufzubauen und vor allem zu verstetigen. Die afghanische Zivilbevölkerung soll die Veränderung als schnelle Verbesserung ihrer Situation wahrnehmen. Es sollen sowohl ?die Herzen und die Köpfe? (?the hearts and minds?) der afghanischen Zivilbevölkerung gewonnen werden, als die Strategie gleichzeitig zum Zweck hat, den kriegerischen Einsatz gegenüber der amerikanischen Bevölkerung zu legitimieren (vgl. Koehler 2008: 7). Es ist ein zentrales Anliegen der Administration Obama, den Krieg in der amerikanischen Öffentlichkeit trotz aller Unbill als einen Krieg bewertet zu sehen, den es lohnt zu kämpfen. Wie Dimitriu festhält: "[S]uccess in the application of force depends less on the outcome of tactical operations on the battlefields but more on how the war's purpose, course and conduct is viewed by public opinion at home as well as within the theatre of operations." (Dimitriu 2012: 196) Und so erklärt auch der leitende General Stanley McChrystal zu Beginn der Mission am 30. August 2009 in Kabul, dass ein essentieller Teil dieser Strategie zur Delegitimierung der gegnerischen Kräfte in Afghanistan darin bestehe, dass die afghanische ebenso wie die amerikanische und die internationale Öffentlichkeit von dem Erfolg der Mission überzeugt werden könne (vgl. ebd.: 203; Egnell 2010).Klassischer Weise übernehmen die journalistischen Medien die Aufgabe, der amerikanischen Öffentlichkeit von Kriegen zu berichten. Meist spielen sich diese Kriege dabei nicht einmal auf amerikanischem Territorium ab: Seit dem amerikanischen Bürgerkrieg stellt einzig der japanische Angriff auf den hawaiianischen Hafen Pearl Habour ein Kriegsereignis dar, welches auf amerikanischem Territorium stattfand. Ansonsten erlebt die amerikanische Öffentlichkeit Kriege als medial vermittelt. Im ersten und zweiten Weltkrieg, im Korea-, Vietnam- und im Golfkrieg sowie während der kürzeren Kriegseinsätze auf Grenada oder in Somalia waren es stets die journalistischen Medien, die die amerikanische Öffentlichkeit mit Informationen von der weit entfernten Front versorgten. Doch zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist es nicht mehr allein der Journalismus, der vom Krieg berichtet. Andere Medienakteure sind hinzugekommen und in den USA haben sich die "New Media" zum integralen Bestandteil kommunikativer Prozesse des alltäglichen Lebens entwickelt. Die digitalen Medien, ihre multilateralen Kommunikationswege, Infrastrukturen und Technologien bilden nunmehr einen wichtigen Teil der zeitgenössischen Medienlandschaft. So hat der Journalismus durch die neuartigen partizipativen Technologien, die in Form von weblogs, videologs, sozialen Netzwerken und frei zugänglichen Diensten wie Twitter genutzt werden, in seinen Kernkompetenzen der öffentlichen Informationsvermittlung und Themensetzung starke Konkurrenz bekommen. Bilder und Filme können überall und von jedem, der über eine digitale Kamera und einen Internetzugang verfügt, publiziert werden. Aufnahmen des Krieges werden beispielsweise von in Afghanistan oder im Irak stationierten Soldatinnen und Soldaten produziert und auf Youtube veröffentlicht, Zivilisten bloggen aus Bagdad, Wikileaks lädt Videos und Dokumente des Krieges auf frei zugängliche Webseiten. Und damit sind noch nicht einmal alle Akteure genannt. Darüber hinaus ist die Unterhaltungsindustrie aktiv, mit großen Blockbuster-Produktionen, kostspielig produzierten TV-Serien und Videospielen täuschend echte Fiktionen des Krieges auf den Bildschirmen des US-amerikanischen Publikums zu erzeugen. Der Film "Zero Dark Thirty" über die Suche nach Osama bin Laden kann hier beispielhaft genannt werden, ebenso die HBO-Serie "Generation Kill" über die ersten Wochen des Irakeinsatzes 2003 oder die populären Kriegsvideospiele "Medal of Honor" und "Call of Duty - Modern Warfare". Die Formate sind zahlreich, die außerhalb der journalistischen Medien Informationen des so genannten "Kriegs gegen den Terror" medial erscheinen und in Konkurrenz zur klassisch journalistischen Berichterstattung von der Front treten lassen.Bei näherer Betrachtung des medial vermittelten Krieges in der amerikanischen Öffentlichkeit wird ein Aspekt besonders deutlich: Es sind hier vor allem Bilder des Krieges, die eindrucksvoll zirkulieren und die sich gleichzeitig stark voneinander unterscheiden. Denn es ist zu beobachten, dass im Journalismus Bilder des Krieges ausgespart werden, die explizite Gewalt und Chaos zeigen, während dagegen viele Bilder, die auf nicht-professionellen digitalen Portalen erscheinen, explizite Kriegsgewalt gerade ausstellen. Diese Diskrepanz lässt sich an einem weltweit bekannt gewordenen Beispiel verdeutlichen. Als der Fernsehsender CBS im März 2004 Fotografien aus dem irakischen Gefängnis Abu Ghraib ausstrahlte, wurden Bilder brutaler Folter öffentlich, die amerikanische Soldatinnen und Soldaten ausgeübt und selbst fotografiert hatten. Dieses Ereignis erzeugte auf zwei Weisen einen Schock in der amerikanischen Öffentlichkeit. Einmal schockierten diese Bilder, weil sie bewiesen, dass Angehörige der amerikanischen Streitkräfte gegen die Genfer Konventionen verstoßen hatten. Gleichzeitig erschütterten diese Bilder aber auch die amerikanische Öffentlichkeit, weil die journalistischen Medien bis zu diesem Zeitpunkt ein ganz anderes Bild vom Krieg im Irak und von den amerikanischen Militärs erzeugt hatten. In dem krassen Kontrast zu diesen Bildern der Folter wurde nun umso deutlicher, dass die journalistischen Medien bis dato ein Bild des Krieges im Irak kolportiert hatten, das kontrollierter, heroischer, nicht brutal war und das die amerikanischen Militärs als Kämpfer für das ethisch Gute empfohlen hatte.Die Afghanistanberichterstattung weist strukturelle Ähnlichkeiten zur Berichterstattung über den Irakkrieg auf. In der Tendenz wird auch hier ein Bild von den amerikanischen Streitkräften im Einsatz präsentiert, das positiv besetzt ist und den Krieg als ein kaum mit Gewalt verbundenes, kontrolliertes Unternehmen darstellt. Allerdings hat es auch hier Fälle gegeben, bei denen Bilder das bis dato journalistisch erzeugte Bild des Krieges frappant in Frage stellten. Einer davon, die schockierenden Fotos eines selbst ernannten "Kill Teams" aus amerikanischen Soldaten, ist ein besonders markanter Fall und steht im Mittelpunkt dieser Studie. Das deutsche Magazin der Spiegel machte im März 2011 Fotos öffentlich, die amerikanische Soldaten zeigten, wie sie mit der Leiche eines jungen Afghanen posierten. Es war zu erfahren: Die Soldaten hatten sowohl einen minderjährigen Jungen als auch zwei geistliche Zivilisten als Teil eines Mordkomplotts getötet. Die Trophäenbilder ihrer Tat gelangten zunächst über den Nachrichtengenerator The Gawker in die amerikanische Öffentlichkeit, zwei Wochen später veröffentlichte das Magazin Rolling Stone auf seiner Homepage weitere Fotos der Kriegsverbrechen. Die Folge war eine breite journalistische Aufmerksamkeit in den USA.Journalismus wird in diesem Buch mit Rückgriff auf die Arbeiten Michel Foucaults als ein Diskurs definiert, der es vermag, Wissensordnungen über den Krieg in einem Bereich zu formatieren, welcher als wahr akzeptiert wird. Wer sich für Regeln interessiert, muss ihre Brüche in Augenschein nehmen oder, wie es Foucault formuliert, man solle, "[d]ie Veränderungen aufspüren, die die diskursiven Formationen als solche bestimmen" (2001a: 865, Hervorhebung im Original). So wird mit den Trophäenbildern des selbst ernannten "Kill Teams" eine Störung des journalistisch erzeugten Bildes des Afghanistankrieges in den Mittelpunkt der Forschung gestellt. Diese Störung bietet einen Anhaltspunkt, von dem aus die Regeln der amerikanischen Berichterstattung über den Krieg überhaupt erst sichtbar werden und kommunikationswissenschaftlich untersucht werden können. Zu diesem Zweck wird in einem neu entwickelten empirischen Verfahren der journalistische Diskurs der amerikanischen Medien über die Bilder von Kriegsverbrechen US-amerikanischer Soldaten in seiner Quantität und Qualität dokumentiert und analysiert.Um das Vorhaben umzusetzen, geht die Arbeit in folgenden Schritten vor: In dem ersten Kapitel wird ausgewählte kommunikationswissenschaftliche Forschungsliteratur zu der Frage erörtert, wie der Journalismus als ein mediales Verfahren von anderen, welche ebenfalls Öffentlichkeit herstellen, abgegrenzt werden kann. Journalismus wird zu diesem Zweck mit den Schriften Michel Foucaults diskurstheoretisch definiert, wobei konzeptionell neue Erkenntnisse für die deutsche Journalismusforschung erarbeitet werden. Im zweiten Kapitel wird der aktuelle kommunikationswissenschaftliche Forschungsstand zum Thema "Medien und Krieg" im Lichte der Überlegungen aus dem ersten Kapitel reflektiert. Außerdem werden diejenigen kommunikationswissenschaftlichen Studien erörtert, welche die Auseinandersetzung der journalistischen Medien in den USA mit den Bildern aus dem irakischen Gefängnis Abu Ghraib untersucht haben. Diese Diskussion macht besonders das Forschungsdesiderat offensichtlich, die Verknüpfung von Bildern und Macht im Journalismus mit diskursanalytischen Begrifflichkeiten neu zu untersuchen. Am Ende des Kapitels werden die forschungsleitenden Fragen in Bezug auf das empirische Material formuliert. Das dritte Kapitel leistet definitorische Grundlagenarbeit für die empirische Journalismusforschung, wobei sich die Foucault'schen Begriffe "Aussage" und "Äußerung" sowie "Streuung" für den diskursanalytischen Forschungsprozess als äußerst dienlich erweisen. Kapitel IV stellt das Material in seiner Komplexität und Fülle dar, indem drei "Muster der Streuung" im journalistischen Diskurs identifiziert werden. Das fünfte Kapitel legt mittels diskursanalytischer Instrumente dar, wie die Veröffentlichung der brutalen Trophäenbilder den journalistischen Diskurs verändert und ein Wissen über den Afghanistankrieg in einem Positiv/Negativ-Schema formatiert wird. Die Theorie Foucaults leistet damit für die Journalismusforschung einen wichtigen Beitrag, um das Verhältnis von Medien, Öffentlichkeit und Krieg zu verstehen.I.Was kann Journalismus heute leisten? Die diskursive Autorität des JournalismusIn Anbetracht der heutigen Überfülle medialer Angebote in den USA stellen sich der Journalimusforschung immer wieder die Fragen: Was leistet der amerikanische Journalismus angesichts des medialen Wandels der letzten zwei Jahrzehnte eigentlich? Welche gesellschaftliche Relevanz können seine Leistungen noch haben? Im Folgenden interessiere, [PU: Campus, Frankfurt am Main]

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Umkämpfte Bilder (eBook, PDF) - Bach, Annika
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2016, ISBN: 9783593433745

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Einleitung: Umkämpfte Bilder - Journalismus und KriegFür die Stadt New York beginnt das 21. Jahrhundert mit terroristischen Anschlägen. Für den Rest der Welt beginnt das 21. Jahrhundert mit den Bildern dieser Anschläge. Als Reaktion auf die Anschläge vom 9. September 2001 und auf die Bilder, die sie auf den Bildschirmen erzeugt haben, entscheidet sich die amerikanische Regierung unter George W. Bush für einen militärischen Einsatz. In einem so genannten "Krieg gegen den Terror" wird das terroristische Netzwerk Al-Qaida auf dem Territorium Afghanistans von einer amerikanisch geführten Allianz angegriffen. Zwei Jahre später bombardiert eine Allianz aus USA und Großbritannien den Irak. Dies führt zu einem auch im Jahr 2016 noch andauernden Krieg der USA in Südasien und zu einem achtjährigen Einsatz in dem Golfstaat.Im Jahr 2008 während seines ersten Wahlkampfes bezeichnet der demokratische Kandidat Barack Obama den in seinen Augen legitimen und mit einem völkerrechtlichen Mandat ausgestatteten Kriegseinsatz der US-Streitkräfte in Afghanistan wiederholt als einen ?guten? und sinnvollen Krieg. Gut sei dieser Krieg, das macht er in seiner Kampagne verschiedentlich klar, vor allem im Vergleich zum Krieg im Irak, der unter dem Vortäuschen falscher Tatsachen und mit Hilfe von Manipulation der internationalen Gemeinschaft von der Bush-Regierung begonnen wurde. Diese Unterscheidung ist eine zentrale Botschaft seiner geplanten außenpolitischen Linie. Während einer Rede an dem Forschungszentrum Woodrow Wilson International Center for Scholars in Washington, D.C. kündigt der demokratische Kandidat an:"When I am President, we will wage the war that has to be won, with a comprehensive strategy with five elements: getting out of Iraq and on to the right battlefield in Afghanistan and Pakistan; developing the capabilities and partnerships we need to take out the terrorists and the world's most deadly weapons; engaging the world to dry up support for terror and extremism; restoring our values; and securing a more resilient homeland.The first step must be getting off the wrong battlefield in Iraq, and taking the fight to the terrorists in Afghanistan and Pakistan."Nach dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama im Januar 2009 erfährt der Krieg in Afghanistan tatsächlich neue Aufmerksamkeit von der US-Administration. Wie es Obama versprochen hat, erweitert seine Regierung den außenpolitischen Fokus in Südasien auf Afghanistan gemeinsam mit dem angrenzenden Pakistan. Dieses Vorgehen wird von der Administration als "AfPak-Strategie" bezeichnet. Da sich in den Grenzregionen beider Länder sowohl die Taliban als auch der internationale Terrorismus weiterhin erfolgreich organisieren, sollen fortan "Afghanistan und Pakistan als zwei Länder, aber eine Herausforderung behandelt werden" (van Raemdonck 2009: 204). Am 27. März 2009 erläutert der US-Präsident das Ziel dieser neuen Außenpolitik und ihre Pläne zur Umsetzung. Im Vordergrund steht die Zerstörung von Al-Qaida sowie ihrer Unterstützer und ihrer Rückzugsgebiete (ebd.).Ihre militärische Umsetzung (im Vergleich zur diplomatischen, wirtschaftlichen etc.) findet die AfPak-Strategie des Präsidenten Obama in der "counterinsurgency"-Strategie. Die Zivilbevölkerung wird von der US-amerikanischen Seite verstärkt in die Militäroperationen einbezogen, um den Taliban den Einfluss auf sie zu erschweren oder ganz zu verhindern. Als "clearing, holding and building areas that had been under insurgent control", wird diese neue Strategie (Celso 2010: 185) beschrieben. Der Kommandeur der ISAF und der U.S. Forces Afghanistan der Jahre 2009 und 2010, General Stanley McChrystal, führt die Strategie in Afghanistan ein, General Petraeus übernimmt diese Aufgabe im Jahr 2010. Im Vergleich zu vorherigen Maßnahmen sollen hier erstens weniger die Aufständischen aufgespürt und getötet werden, dafür soll der Schutz der Zivilbevölkerung absolute Priorität haben. Zweitens sollen von den Taliban befreite Gebiete unter maßgeblichem Einsatz der afghanischen Sicherheitskräfte, der Afghan National Security Forces, gehalten werden (Fair 2010: 115). Ziel ist es, den Taliban die Kontrolle über Dörfer und kleine Regionen abzuringen und dort unter militärischem beziehungsweise polizeilichem Schutz staatliche Strukturen aufzubauen und vor allem zu verstetigen. Die afghanische Zivilbevölkerung soll die Veränderung als schnelle Verbesserung ihrer Situation wahrnehmen. Es sollen sowohl ?die Herzen und die Köpfe? (?the hearts and minds?) der afghanischen Zivilbevölkerung gewonnen werden, als die Strategie gleichzeitig zum Zweck hat, den kriegerischen Einsatz gegenüber der amerikanischen Bevölkerung zu legitimieren (vgl. Koehler 2008: 7). Es ist ein zentrales Anliegen der Administration Obama, den Krieg in der amerikanischen Öffentlichkeit trotz aller Unbill als einen Krieg bewertet zu sehen, den es lohnt zu kämpfen. Wie Dimitriu festhält: "[S]uccess in the application of force depends less on the outcome of tactical operations on the battlefields but more on how the war's purpose, course and conduct is viewed by public opinion at home as well as within the theatre of operations." (Dimitriu 2012: 196) Und so erklärt auch der leitende General Stanley McChrystal zu Beginn der Mission am 30. August 2009 in Kabul, dass ein essentieller Teil dieser Strategie zur Delegitimierung der gegnerischen Kräfte in Afghanistan darin bestehe, dass die afghanische ebenso wie die amerikanische und die internationale Öffentlichkeit von dem Erfolg der Mission überzeugt werden könne (vgl. ebd.: 203; Egnell 2010).Klassischer Weise übernehmen die journalistischen Medien die Aufgabe, der amerikanischen Öffentlichkeit von Kriegen zu berichten. Meist spielen sich diese Kriege dabei nicht einmal auf amerikanischem Territorium ab: Seit dem amerikanischen Bürgerkrieg stellt einzig der japanische Angriff auf den hawaiianischen Hafen Pearl Habour ein Kriegsereignis dar, welches auf amerikanischem Territorium stattfand. Ansonsten erlebt die amerikanische Öffentlichkeit Kriege als medial vermittelt. Im ersten und zweiten Weltkrieg, im Korea-, Vietnam- und im Golfkrieg sowie während der kürzeren Kriegseinsätze auf Grenada oder in Somalia waren es stets die journalistischen Medien, die die amerikanische Öffentlichkeit mit Informationen von der weit entfernten Front versorgten. Doch zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist es nicht mehr allein der Journalismus, der vom Krieg berichtet. Andere Medienakteure sind hinzugekommen und in den USA haben sich die "New Media" zum integralen Bestandteil kommunikativer Prozesse des alltäglichen Lebens entwickelt. Die digitalen Medien, ihre multilateralen Kommunikationswege, Infrastrukturen und Technologien bilden nunmehr einen wichtigen Teil der zeitgenössischen Medienlandschaft. So hat der Journalismus durch die neuartigen partizipativen Technologien, die in Form von weblogs, videologs, sozialen Netzwerken und frei zugänglichen Diensten wie Twitter genutzt werden, in seinen Kernkompetenzen der öffentlichen Informationsvermittlung und Themensetzung starke Konkurrenz bekommen. Bilder und Filme können überall und von jedem, der über eine digitale Kamera und einen Internetzugang verfügt, publiziert werden. Aufnahmen des Krieges werden beispielsweise von in Afghanistan oder im Irak stationierten Soldatinnen und Soldaten produziert und auf Youtube veröffentlicht, Zivilisten bloggen aus Bagdad, Wikileaks lädt Videos und Dokumente des Krieges auf frei zugängliche Webseiten. Und damit sind noch nicht einmal alle Akteure genannt. Darüber hinaus ist die Unterhaltungsindustrie aktiv, mit großen Blockbuster-Produktionen, kostspielig produzierten TV-Serien und Videospielen täuschend echte Fiktionen des Krieges auf den Bildschirmen des US-amerikanischen Publikums zu erzeugen. Der Film "Zero Dark Thirty" über die Suche nach Osama bin Laden kann hier beispielhaft genannt werden, ebenso die HBO-Serie "Generation Kill" über die ersten Wochen des Irakeinsatzes 2003 oder die populären Kriegsvideospiele "Medal of Honor" und "Call of Duty - Modern Warfare". Die Formate sind zahlreich, die außerhalb der journalistischen Medien Informationen des so genannten "Kriegs gegen den Terror" medial erscheinen und in Konkurrenz zur klassisch journalistischen Berichterstattung von der Front treten lassen.Bei näherer Betrachtung des medial vermittelten Krieges in der amerikanischen Öffentlichkeit wird ein Aspekt besonders deutlich: Es sind hier vor allem Bilder des Krieges, die eindrucksvoll zirkulieren und die sich gleichzeitig stark voneinander unterscheiden. Denn es ist zu beobachten, dass im Journalismus Bilder des Krieges ausgespart werden, die explizite Gewalt und Chaos zeigen, während dagegen viele Bilder, die auf nicht-professionellen digitalen Portalen erscheinen, explizite Kriegsgewalt gerade ausstellen. Diese Diskrepanz lässt sich an einem weltweit bekannt gewordenen Beispiel verdeutlichen. Als der Fernsehsender CBS im März 2004 Fotografien aus dem irakischen Gefängnis Abu Ghraib ausstrahlte, wurden Bilder brutaler Folter öffentlich, die amerikanische Soldatinnen und Soldaten ausgeübt und selbst fotografiert hatten. Dieses Ereignis erzeugte auf zwei Weisen einen Schock in der amerikanischen Öffentlichkeit. Einmal schockierten diese Bilder, weil sie bewiesen, dass Angehörige der amerikanischen Streitkräfte gegen die Genfer Konventionen verstoßen hatten. Gleichzeitig erschütterten diese Bilder aber auch die amerikanische Öffentlichkeit, weil die journalistischen Medien bis zu diesem Zeitpunkt ein ganz anderes Bild vom Krieg im Irak und von den amerikanischen Militärs erzeugt hatten. In dem krassen Kontrast zu diesen Bildern der Folter wurde nun umso deutlicher, dass die journalistischen Medien bis dato ein Bild des Krieges im Irak kolportiert hatten, das kontrollierter, heroischer, nicht brutal war und das die amerikanischen Militärs als Kämpfer für das ethisch Gute empfohlen hatte.Die Afghanistanberichterstattung weist strukturelle Ähnlichkeiten zur Berichterstattung über den Irakkrieg auf. In der Tendenz wird auch hier ein Bild von den amerikanischen Streitkräften im Einsatz präsentiert, das positiv besetzt ist und den Krieg als ein kaum mit Gewalt verbundenes, kontrolliertes Unternehmen darstellt. Allerdings hat es auch hier Fälle gegeben, bei denen Bilder das bis dato journalistisch erzeugte Bild des Krieges frappant in Frage stellten. Einer davon, die schockierenden Fotos eines selbst ernannten "Kill Teams" aus amerikanischen Soldaten, ist ein besonders markanter Fall und steht im Mittelpunkt dieser Studie. Das deutsche Magazin der Spiegel machte im März 2011 Fotos öffentlich, die amerikanische Soldaten zeigten, wie sie mit der Leiche eines jungen Afghanen posierten. Es war zu erfahren: Die Soldaten hatten sowohl einen minderjährigen Jungen als auch zwei geistliche Zivilisten als Teil eines Mordkomplotts getötet. Die Trophäenbilder ihrer Tat gelangten zunächst über den Nachrichtengenerator The Gawker in die amerikanische Öffentlichkeit, zwei Wochen später veröffentlichte das Magazin Rolling Stone auf seiner Homepage weitere Fotos der Kriegsverbrechen. Die Folge war eine breite journalistische Aufmerksamkeit in den USA.Journalismus wird in diesem Buch mit Rückgriff auf die Arbeiten Michel Foucaults als ein Diskurs definiert, der es vermag, Wissensordnungen über den Krieg in einem Bereich zu formatieren, welcher als wahr akzeptiert wird. Wer sich für Regeln interessiert, muss ihre Brüche in Augenschein nehmen oder, wie es Foucault formuliert, man solle, "[d]ie Veränderungen aufspüren, die die diskursiven Formationen als solche bestimmen" (2001a: 865, Hervorhebung im Original). So wird mit den Trophäenbildern des selbst ernannten "Kill Teams" eine Störung des journalistisch erzeugten Bildes des Afghanistankrieges in den Mittelpunkt der Forschung gestellt. Diese Störung bietet einen Anhaltspunkt, von dem aus die Regeln der amerikanischen Berichterstattung über den Krieg überhaupt erst sichtbar werden und kommunikationswissenschaftlich untersucht werden können. Zu diesem Zweck wird in einem neu entwickelten empirischen Verfahren der journalistische Diskurs der amerikanischen Medien über die Bilder von Kriegsverbrechen US-amerikanischer Soldaten in seiner Quantität und Qualität dokumentiert und analysiert.Um das Vorhaben umzusetzen, geht die Arbeit in folgenden Schritten vor: In dem ersten Kapitel wird ausgewählte kommunikationswissenschaftliche Forschungsliteratur zu der Frage erörtert, wie der Journalismus als ein mediales Verfahren von anderen, welche ebenfalls Öffentlichkeit herstellen, abgegrenzt werden kann. Journalismus wird zu diesem Zweck mit den Schriften Michel Foucaults diskurstheoretisch definiert, wobei konzeptionell neue Erkenntnisse für die deutsche Journalismusforschung erarbeitet werden. Im zweiten Kapitel wird der aktuelle kommunikationswissenschaftliche Forschungsstand zum Thema "Medien und Krieg" im Lichte der Überlegungen aus dem ersten Kapitel reflektiert. Außerdem werden diejenigen kommunikationswissenschaftlichen Studien erörtert, welche die Auseinandersetzung der journalistischen Medien in den USA mit den Bildern aus dem irakischen Gefängnis Abu Ghraib untersucht haben. Diese Diskussion macht besonders das Forschungsdesiderat offensichtlich, die Verknüpfung von Bildern und Macht im Journalismus mit diskursanalytischen Begrifflichkeiten neu zu untersuchen. Am Ende des Kapitels werden die forschungsleitenden Fragen in Bezug auf das empirische Material formuliert. Das dritte Kapitel leistet definitorische Grundlagenarbeit für die empirische Journalismusforschung, wobei sich die Foucault'schen Begriffe "Aussage" und "Äußerung" sowie "Streuung" für den diskursanalytischen Forschungsprozess als äußerst dienlich erweisen. Kapitel IV stellt das Material in seiner Komplexität und Fülle dar, indem drei "Muster der Streuung" im journalistischen Diskurs identifiziert werden. Das fünfte Kapitel legt mittels diskursanalytischer Instrumente dar, wie die Veröffentlichung der brutalen Trophäenbilder den journalistischen Diskurs verändert und ein Wissen über den Afghanistankrieg in einem Positiv/Negativ-Schema formatiert wird. Die Theorie Foucaults leistet damit für die Journalismusforschung einen wichtigen Beitrag, um das Verhältnis von Medien, Öffentlichkeit und Krieg zu verstehen.I.Was kann Journalismus heute leisten? Die diskursive Autorität des JournalismusIn Anbetracht der heutigen Überfülle medialer Angebote in den USA stellen sich der Journalimusforschung immer wieder die Fragen: Was leistet der amerikanische Journalismus angesichts des medialen Wandels der letzten zwei Jahrzehnte eigentlich? Welche gesellschaftliche Relevanz können seine Leistungen noch haben? Im Folgende, [PU: Campus, Frankfurt am Main]

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Umkämpfte Bilder - Annika Bach
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ISBN: 9783593433745

ID: 24404895

Der Krieg in Afghanistan ist in den USA meist nur medial vermittelt erfahrbar. Der journalistische Diskurs trägt dabei dazu bei, ein Bild dieses Krieges zu erzeugen, welches den Krieg als ein unblutiges und kontrolliertes Unternehmen vorstellt. Verunsichert wird dieses journalistische Bild allerdings durch Bilder exzessiver Gewalt, die in sozialen Netzwerken oder in fiktiven Medienformaten zu sehen sind. Annika Bach untersucht mittels einer Foucaultschen Diskursanalyse die Regeln, welche den journalistischen Diskurs der USA über den Afghanistankrieg strukturieren und zeigt auf, wie besonders die Bilder dieses Krieges selbst ein umkämpftes Krisengebiet sind. Der journalistische Diskurs über den Afghanistankrieg in den USA eBook eBooks>Fachbücher>Medienwissenschaft, Campus Verlag

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No. 44551589 Versandkosten:DE (EUR 12.55)
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Umkämpfte Bilder - Erstausgabe

2016, ISBN: 9783593433745

ID: 34556710

Der journalistische Diskurs über den Afghanistankrieg in den USA, [ED: 1], Auflage, eBook Download (EPUB,PDF), eBooks, [PU: Campus Verlag]

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Details zum Buch
Umkämpfte Bilder
Autor:

Annika Bach

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Detailangaben zum Buch - Umkämpfte Bilder


EAN (ISBN-13): 9783593433745
Erscheinungsjahr: 2016
Herausgeber: Campus Verlag

Buch in der Datenbank seit 17.01.2016 07:48:47
Buch zuletzt gefunden am 07.11.2017 10:29:04
ISBN/EAN: 9783593433745

ISBN - alternative Schreibweisen:
978-3-593-43374-5


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